Tschernobyl: Eine Katastrophe und ihre Auswirkungen

12.April 2006

[mygal=Tschernobyl] Verharmlosung und Desinformationspolitik begleiten Tschernobyl seit dem ersten Tag der Katastrophe. Im Berliner Willy-Brandt-Haus zeigen sechs internationale Fotografen noch bis zum 24. Mai Momente aus der Wirklichkeit vor Ort.

Am 26. April vor zwanzig Jahren schoss Igor Kostin das erste und einzige Foto, das vom Tag der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl existiert. Die radioaktive Strahlung belichtet den Film und blockiert die Kamera. Eine gewaltige Explosion hatte das 3000 Tonnen schwere Dach und radioaktiven Kernbrennstoff in die Luft geschleudert. Der Reaktorkern schmilzt. Unsichtbar breitet sich die Gefahr über die Region aus – sieben Millionen Menschen sind den Strahlen ausgesetzt.

Im September 2005 steht in einer gemeinsamen Presseaussendung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Vereinten Nationen (UN): „Ein bescheidener, aber ständiger Anstieg von berichteten angeborenen Missbildungen in kontaminierten und nicht kontaminierten Gebieten Weißrusslands scheint auf eine bessere Erfassung und nicht auf Strahlung zurückzugehen.“

Dr. Natascha Jegorawa, Weißrussland, behandelt seit 1986 Strahlenopfer: „Es ist hoffnungslos. Oft können wir nichts tun, um zu helfen. Unsere Kinder sind heutzutage nicht gesund. Sie haben alle geschwächte Immunsysteme und genetische Schäden … mein Land stirbt.“

Die Fotografen:

Paul Fusco (geb. 1930, USA) thematisiert die gesundheitlichen Auswirkungen der atomaren Katastrophe bei der Bevölkerung, insb. die genetischen Schäden und Fehlbildungen bei Kindern.

Andreas Gefeller (geb. 1970, Deutschland) zeigt Menschen und Landschaften in der näheren Umgebung von Tschernobyl 10 Jahre nach der Reaktorkatastrophe.

Anatol Kliashchuk (geb. 1957, Belarus) verfolgt seit Beginn der Reaktorkatastrophe das Schicksal von Familien und Kindern, die mit Krankheit, Leid und Tod konfrontiert sind.

Igor Kostin (geb. 1936, Ukraine) steigt als einer der ersten Fotoreporter am 26. April 1986 in einen Hubschrauber und fotografiert von oben in den zerstörten Reaktor und er begleitet die Liquidatoren bei ihrer lebensgefährlichen Arbeit.

Rüdiger Lubricht (geb.1947, Deutschland) dokumentiert die medizinische Situation, die verstrahlten Lebensräume und die Sperr- und Todeszone im 21. Jahrhundert.

Gerd Ludwig (geb. 1947, USA) fotografiert in den 90er Jahren in und um Tschernobyl für National Geographic.

Weitere Infos unter http://www.willy-brandt-haus.de

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