Tagesarchiv für den 26. April 2006

JVA Magdeburg – Fotografien und Interviews von Jens Klein

Foto: Jens KleinEin Jahr lang verfolgte Jens Klein mit dem Projekt JVA Magdeburg eine Auseinandersetzung mit einem Ort, der die Strukturen, Hierarchien und Abhängigkeiten unserer Gesellschaft in einem eigenen Mikrokosmos widerspiegelt, sich aber scheinbar am Rande dieser befindet. Das Ergebnis: Etwa 45 Portraitaufnahmen, Sachfotografien persönlicher Gegenstände sowie Innen- und Außenansichten der JVA Magdeburg, die vom 19. Mai bis zum 19. Juni im MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt zu sehen sind. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein gesonderter Textband mit Interviews, die der Künstler sowohl mit Inhaftierten als auch mit Angestellten geführt hat.

Die Fotografien sind mehr als bloße Dokumentation und fordern den Betrachter auf subtile Weise zum Dialog heraus. Nicht moralisierend, nicht bewertend zeigen sie ohne technische Verfremdungen und aufwendige Inszenierungen den Ort und die Menschen, mit der ihnen eigenen Würde. Eine Gleichwertigkeit der Darstellung ist konzeptionell angelegt und findet sich in fast allen Fotografien wieder. Die Umsetzung gelingt Jens Klein durch die zentralperspektivische Kameraposition, den Verzicht auf zusätzliche Lichtquellen, die gleichmäßige Ausleuchtung der Innenräume, welche ein Licht-Schatten-Spiel ausschließt, das Aufheben einer sicheren Zuordnung von Personen zu Gegenständen und Räumen, die Herauslösung der Personen aus ihrem räumlichen Umfeld. Zusätzlich verstärkt das bewusste Auslassen der Namen der Fotografierten den Wegfall jeglicher von außen gegebener Individualität und Identität. Diese erhalten sie einzig durch ihre formatfüllende Abbildung in Frontalansicht.

Die Aufnahmen der Zellen haben nichts Voyeuristisches. Sie zeigen verschiedene persönliche Räume, ohne deren Intimsphäre preiszugeben. Die Situation des Eingesperrt-seins wird auch hier nicht thematisiert. Die Fenster sind Quelle des natürlichen Lichtes, das Gitter vor ihnen wird durch das starke Gegenlicht nur als verschwommene, sich auflösende Struktur wahrnehmbar. Die anderen Innenraumaufnahmen zeigen ebenso wie die Fotografien des mit Grün belebten Hofes weitere herausgelöste Details des Gesamtbildes, ohne dem Betrachter einen Rahmen oder eine Verortung vorzugeben.

Das Prinzip der Nichtzuordnung in der Arbeit von Jens Klein eröffnet Denkräume, die mit eigenen Assoziationen gefüllt werden können, wenn man sich auf einen Dialog mit dem Abgebildeten einlässt. Dieses korrespondiert zugleich mit dem Prinzip der Akzeptanz des Anderen, der Wahrung von Würde und Individualität. (Susanne Knorr)

Weitere Infos unter http://www.extremnett.de/jensklein

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