Abseits – das Runde und das Eckige in der Fotografie
19.Mai 2006
[mygal=RobertDavies]Fußball ist eine internationale Sprache der besonderen Art. Wer sie beherrscht, genießt Ansehen in der Welt. Davon berichten vom 20. Mai bis zum 19. in allen Lumas-Galerien Juli Bill Brandt, Robert Davies, Jens Schwarz, Nicola Schudy, David Steets und Stephan Zirwes. So sehr sich der Standpunkt der sechs Künstler auch um Distanz bemüht, der Faszination dieses Massenphänomens vermögen sie sich nicht zu entziehen. Ihr Blick kündet von Neugier auf die Kräfte, die da wirken. Und so unterschiedlich die Positionen auch sein mögen, sie erzählen doch alle ihre Geschichten vom Fieber des Fußballs, den Exzessen und Brutalitäten, aber auch den Träumen von Heimat, Jugend, Erfolg und Freundschaft, die für immer untrennbar mit ihm verknüpft sein werden.
Robert Davies: Highlights aus 17 WM-Spielen
Robert Davies, geboren 1964 in Birmingham. Nachdem er 1993 am Royal College in London seinen Master of Arts machte, fasziniert ihn die Vorstellung dass eine Milliarde Menschen vor den Fernsehapparaten ein Fußball-WM-Spiel verfolgen. Diesem Phänomen kollektiver Beobachtung und Gleichschaltung nachzuspüren zeigt die Serie „Epiphany“. Was wir auf seien Videostills sehen sind nationale Schicksalsmomente, Glanzszenen und Torschüsse moderner Helden.
Bill Brandt: Football In Street
Ende der 20er Jahre kam der Brite Bill Brandt (1904-1983) nach Paris. Nach einer kurzzeitigen Assistenz bei Man Ray schlug er im Umfeld der Surrealisten bald eigene Wege ein. "Fotografie ist noch immer ein sehr neues Medium und man muss alles versuchen und wagen”, konstatierte er. „Fotografie hat keine Regeln, sie ist kein Sport.” Brandts verzerrte, skulpturale Akte, seine Städtebilder und Dokumentationen der britischen Mittel- und Oberschicht gaben der surrealen Fotografie neue Impulse und verfehlten nicht ihre Wirkung auf die kommende Generation der Subjektiven Fotografie, die nach dem zweiten Weltkrieg vor allem in Deutschland den Ton angeben sollte.
Stephan Zirwes: Fussball aus der Vogelperspektive
Stephan Zirwes erfasst Spielfelder aus der Vogelperspektive. Das Oben und Unten verliert dabei an Relevanz und die über den Platz versprengten Fußballer erscheinen wie Sternbild-Konstellationen an einem Nachthimmel. Die Distanz nimmt dem Geschehen die gewohnte Emotion, ersetzt Dramatik durch Ästhetik. Die Fußballplätze, die er aus dem Hubschrauber abgelichtet hat, liefern einen einzigartigen formalen Reiz: Spieler werden zu Punkten, die an eine Partitur erinnern können. Als feine Choreografien zeigen die Bilder von Jens Schwarz nicht nur die Spielorte, sonder auch die Spielregeln, nach denen auf dem Platz und im Leben miteinander und gegeneinander angetreten wird.
Nicola Schudy: Spielfelder des Lebens
Die Bühnen unseres täglichen Miteinanders haben viele Gesichter. Geduldig warten sie darauf, dass wir sie betreten und mit Leben füllen. Ob Plätze, Brücken, Terrassen oder Fußballfelder, jeder Ort fordert seine eigenen Regeln. Nicola Schudy erforscht mit Vorliebe Orte, die sich unserer allgemeinen Aufmerksamkeit entziehen: ländliche Fußballfelder und urbanes Brachland. Sie inszeniert diese architektonischen Phänomene als Projektionsflächen für Assoziationen und Gedanken und verknüpft sie mit Fragen nach Heimat und
Jens Schwarz: Spielorte - Campo 07
Jens Schwarz, 1968 geboren in Potsdam, hat ein facettenreiches Werk zwischen Dokumentation und Installation kreiert.In der Serie „Spielorte“ ist der Platz das Universum und die Welt der Fußball, besser gesagt, der Amateurfußball. Die Bolzplätze liegen eingebettet ins landschaftliche wie gesellschaftliche Umfeld und sind soziale Bezugspunkte, Orte der Kommunikation und Interaktion.
David Steets: Nachts an der Copacabana
David Steets sieht sich als Geschichtenerzähler. Er berichtet von Menschen überall auf der Welt und von ihren Versuchen, sich ihr Leben einzurichten und ihre Umgebung zu gestalten. Mit der Kamera nähert er sich ihnen an und erforscht sie. „Night Soccer“ erzählt von Begeisterung und Improvisationskunst und von der Mentalität eines Landes, in dem sich die Lust am Spiel mit dem Traum verbindet, durch den Fußball reich und berühmt zu werden. Fußball ist wohl die einzige Chance dieser Jungs, einmal die Welt bereisen zu können und vielleicht irgendwo im Blitzlichtgewitter der Medien zu stehen.
Weitere Infos unter http://www.lumas.de
Artikel gespeichert unter: Ausstellungen, News
Ihr Kommentar
Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Trackback diesen Artikel | Kommentare als RSS Feed abonnieren