Tagesarchiv für den 30. Mai 2006

Helmut Newton: Yellow Press

Yellow PressDie Helmut Newton Stiftung zeigt ab 4. Juni 2006 mit Helmut Newtons Yellow Press und Playboy Projections weniger bekannte Aspekte seines photographischen Werkes. In einem Katalogvorwort äußerte sich Newton 2002 zum Phänomen der ‚Yellow Press’: „Regenbogen-Journalismus, im späten 19. Jahrhundert geprägt, lebt bis heute als abfälliger Terminus für bestimmte Publikationen weiter. Seit Jahren habe ich Photographien aus der Tagespresse und aus Magazinen ausgeschnitten, insbesondere aus Italienischen, die regelmäßig Paparazzi-Bilder publizieren, und in der Schublade verwahrt. Sie inspirierten mich. Später entwickelte ich eine große Begeisterung für die ‚Vermischten Seiten’. Der legendäre Chefredakteur von Paris Match, Roger Therond, beauftragte mich mehrfach, solche Ereignisse zu photographieren.“

Die „Playboy Projections“ werden im zentralen Ausstellungsraum der Helmut Newton Stiftung in einer black box gezeigt. Newton arbeitete für die weltweit renommiertesten Mode- und Publikumszeitschriften sowie seit den Siebzigerjahren für den „Playboy“. Mit seiner unnachahmlichen Bildsprache hat er auch in diesem Bereich bestehende Tabugrenzen erweitert, jenseits der herkömmlichen Centerfold-Ästhetik.

Neben den beiden neuen Newton-Ausstellungen wird erstmals auch einem anderen Photographen in der Helmut Newton Stiftung ein Forum gegeben: Vera Lehndorff. In den Sechzigerjahren wurde sie unter dem Pseudonym Veruschka zu einer der meistgebuchten und -publizierten Modelle der internationalen Mode. Viele berühmte Photographen haben mit ihr gearbeitet, unter ihnen auch Newton. In den letzten Jahren entstand ein selbstreferentielles Projekt, in dem sie – gemeinsam mit dem Photographen Andreas Hubertus Ilse in New York – als Veruschka und in verschiedenen anderen Rollen vor der Kamera agiert hat. Die aktuelle Ausstellung zeigt die Künstlerin in ausgefallenen Kostümen, die eigens für sie angefertigt wurden, als Bettlerin und Punkerin oder in einem Geschlechtertausch als männlichen Intellektuellen oder afro-amerikanischen Präsidenten.

Weitere Infos unter http://www.helmut-newton.de

bisher 1 Kommentar 30. Mai 2006

Dorothy Bohm – Un Amour de Paris

Foto: Dorothy BohmPoetische schwarz-weiß Impressionen der 50er und 60er Jahre sowie schrille Farbaufnahmen aus den letzten Jahrzehnten sind die persönliche Liebeserklärung der Photographin Dorothy Bohm an die bis heute unumstrittene Hauptstadt der Sinne: an Paris. Noch bis zum 9. Juli ist ihre Serie „Un Amour de Paris“ im verborgenen Museum des „Dokumentation der Kunst von Frauen e.V.“ in Berlin zu sehen.

Dorothy Bohm, 1924 als Dorothea Israelit in Königsberg geboren, hat ihr Leben retten können durch den beherzten Entschluß ihres Vaters, sie mit knapp fünfzehn Jahren vor der nationalsozialistischen Verfolgung alleine nach England zu schicken. Nach dem Studium der Photographie am College of Technology in Manchester macht sie ihre praktischen Erfahrungen in dem klassischen Portraitatelier Samuel Cooper und eröffnet 1946 ihr eigenes Studio „Alexander“. Die freie künstlerische Photographie aber reizt sie auf Dauer mehr: Stadtlandschaften und Stilleben werden ihre bevorzugten Sujets, die sie besonders auf ihren ausgedehnten Reisen findet. Zudem ist Dorothy Bohm auch eine Pionierin und Streiterin für das öffentliche Ansehen und die künstlerische Bedeutung der Photographie. In London gründet sie 1971 zusammen mit Sue Davies “The Photographer’s Gallery“, die erste britische Galerie, die ausschließlich Photographie präsentiert und bis heute ihre Bedeutung behalten hat.

 
Von London aus kommt sie in der Welt herum, führte mit den Kollegen André Kertész, Bill Brandt, Arnold Newman einen regen Austausch. Dorothy Bohm tritt 1969 mit der Ausstellung “People at Peace“ im Institute of Contemporary Arts in London erstmals mit ihren Photographien an die Öffentlichkeit, im Kontext mit den Kollegen Don McCullin, Tony Ray-Jones und Enzo Ragazzini. Sie zählt neben Bill Brandt und Ida Kar, Don McCullin, David Baily, aber auch Jo Spence, zu den wichtigsten ihrer Zunft in Großbritannien seit 1945.

Zeitweilig lebte sie in Paris und fühlte sich von der Stadt, den Künstlerkreisen und der Kultur immer wieder angezogen. Ihre Pariser Aufnahmen, die seit ihrem ersten Aufenthalt 1947 entstanden sind, vermitteln ihre Zuneigung zu dieser Stadt, besonders die schwarz-weiß Aufnahmen der 1950er und 1960er Jahre zeigen Paris mit seinem typisch französischen Flair, dem Montmartre, den Seine – Angler, den Bouquinisten. Ihre Farbphotographien dagegen - seit Mitte der 1980er Jahre arbeitet Dorothy Bohm ausschließlich mit Farbe - sprechen die Sprache der krassen Modernisierung der Stadt.  Schaufenster, Plakatwände und Grafitti haben wieder Konjunktur und Dorothy Bohm nobilitiert sie zum Ornament der Großstadtstraße.

Eine Auswahl von 156 Paris-Aufnahmen wurden im letzten Jahr im Musée Carnavalet – Histoire de Paris ausgestellt. Das Verborgene Museum zeigt nun eine Auswahl dieser Aufnahmen in Berlin und stellt damit die Photographin zum ersten Mal in Deutschland vor.

Weitere Infos unter http://www.dasverborgenemuseum.de

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