Manuel Schroeder: Berliner Mauern – off playground
16.Juni 2006
Schon vor dem „Fall“ der großen Mauer war Berlin eine Stadt, die durch ihre Zerrissenheit eine große Anziehungskraft hatte. Seit 1988 arbeitet der Fotograf Manuel Schroeder kontinuierlich als fotografischer Beobachter verschiedener Aspekte des Alltags und der Wohn- und Lebenssituation, vorwiegend in Ostberlin nach der Wiedervereinigung. Das Projekt „off-playground“ stellt die für Berlin signifikante Situation von Plätzen heraus, die, zwischen Häuserschluchten geplant und geebnet, der spielerischen Entfaltung von Menschen zur Verfügung stehen. Die dabei deutlich im Ungleichgewicht stehende Relation von Mensch zu Architektur stellt das Individuum und seine Bedürfnisse in den Hintergrund, ins „off“.
Während im Westen nach der „Maueröffnung“ eine nicht enden wollende Welle architektonischer Großprojekte begann, mit denen Berlin endlich die Fassade der weltweit wichtigsten Hauptstadt Deutschlands zurückerhalten soll, wurde der Ostteil überwiegend sich selbst überlassen und bis heute sanierungstechnisch vernachlässigt.
Das Ergebnis der Wiedervereinigung zeigt sich im Detail: Die Erscheinung der Siedlungen und Stadtteile des Ostens geht einher mit der Erscheinung der dort Lebenden – statisch, resigniert, antriebslos. Der DDR-Sozialismus hat mit dem Versuch der totalen äußeren und inneren Klassifizierung und Kontrolle der Menschen und Ihrer Umgebung bis heute tiefe Spuren hinterlassen – der BRD-Kapitalismus hat mit seiner einnehmenden Gier und kalter Arroganz diese Menschen für zweitklassig erklärt und auf lange Sicht total verunsichert.
Berliner Mauern. Im Westen fürs Wachstum, im Osten zum Selbstschutz. Zu sehen sind die 32 fotografischen Arbeiten von Manuel Schröders vom 21. Juni bis 31. August 2006 in der Caritas Galerie.
Weitere Infos unter http://www.manuelschroeder.com
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