Tagesarchiv für den 17. Juli 2006

Sonderausstellung: DOCDOC - Doguments of Art and History

poster.gifWas kommt dabei heraus, wenn eine Tierfotografin und ein Photoshop-Monteur ein gemeinsames Projekt realisieren? Die Ausstellung DOCDOC im Landesmuseum Koblenz zeigt vom 15. Juli bis zum 6. August das Ergebnis der kreativen Zusammenarbeit von Ruth Marcus und Doc Baumann.

Sie war Ärztin, ist Medizinjournalistin und wurde in den letzten Jahren vor allem als Tierfotografin bekannt – Doc Baumann ist von seiner Ausbildung her Kunstwissenschaftler. Er ist als Spezialist für digitale Bildbearbeitung bekannt und wurde unlängst als der „Photoshop-Papst“ bezeichnet.

Während der gemeinsamen Arbeit an DOCDOC schälte sich in vielen Diskussionen das „Doguments“-Konzept heraus: Ironisch gebrochene Bildzitate aus Geschichte und Kunstgeschichte quer durch die Jahrhunderte, in der Grenzzone zwischen Wiedererkennbarkeit und Verfremdung – aufbauend auf der Basis kulturellen Allgemeinwissens, dieses aber zugleich in Frage stellend. Die Montagen aus dem Ausstellungskontext heben die Zitate durch Einbeziehung des abgebildeten Subjekts als Betrachter auf eine weitere Meta-Ebene; manche der Bilder erscheinen so direkt als Exponate und mittelbar als Bildkomponenten.

Weitere Infos unter http://www.landesmuseumkoblenz.de

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Wettbewerb: gute aussichten - junge deutsche fotografie 2006/2007

Plakat_A1_Hamburg_02_web1.jpgDer Wettbewerb "gute aussichten - junge deutsche fotografie" geht nach der erfolgreichen Ausstellungsreihe in Berlin, Hamburg, Dortmund, Frankfurt am Main und München in die dritte Runde. Wie im Vorjahr bittet das „gute aussichten“-Team um die Einreichung qualifizierter Abschlussarbeiten aus dem Fachbereich Fotografie deutscher Hochschulen, Akademien und Fachhochschulen, deren Gewinner an den vorgesehenen Ausstellungen teilnehmen und ausführlich auf der Website www.guteaussichten.org der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Zur Teilnahme angenommen werden Arbeiten aus dem jeweils laufenden Sommersemester bzw. dem vorangegangenen Wintersemester (für den Wettbewerb 2006/2007 Abschlussarbeiten des Wintersemesters 05/06 und des Sommersemesters 06).

Die diesjährige Jury besteht aus Dr. Ludger Derenthal, Leiter des Museums für Fotografie der Staatlichen Museen zu Berlin, Mario Lombardo, Art Director SPEX, einer namhaften Persönlichkeit der Fotoszene und Josefine Raab, Initiatorin und Leiterin von ,gute aussichten’. Die Jury entscheidet über die verbindliche Teilnahme an den vorgesehenen Ausstellungen.

Die Gewinner des aktuellen Wettbewerbs werden unter anderem im Museum für Fotografie in Berlin und im Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Weitere Ausstellungsorte sind in Planung. Die ausgewählten Arbeiten müssen präsentationsfähig bis spätestens vier Wochen vor Ausstellungsbeginn am jeweiligen Ausstellungsort angeliefert worden sein. Bei eigener Anreise zur Installation können hierzu Sondervereinbarungen getroffen werden. Den Teilnehmern wird je Ausstellungsort ein einmaliger pauschaler Auslagenzuschuss in Höhe von 100,- Euro gewährt. Die Ausstellungen umfassen Erstellung und Versand einer entsprechenden Einladung, die Erstellung geeigneter Publikationen und die Präsentation auf der projekteigenen Website.

Weitere Infos unter http://www.guteaussichten.org

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Beyond Glamour – Melancholie hinter Glitzerfassaden

[mygal=BeyondGlamour]Vom 22. Juli bis zum 4. Oktober 2006 zeigt Lumas in den Galerien in München und Hamburg die Ausstellung “Beyond Glamour – Melancholie hinter Glitzerfassaden”. Zu sehen sind Fotografien von Stefanie Schneider, Jacques Olivar, Yang Yong, Wojtek Wieteska, Jan Wandrag und Holger Jacobs.

Hollywood. Je gleißender das Licht, desto tiefer sind die Schatten in der Fabrik, die Träume wie am Fließband produziert. Je realistischer der Film, desto virtueller erscheint die Realität. In beiden kann man sich verlieren, im Film jedoch weist den Akteuren das Drehbuch schließlich den Weg, während die Wirklichkeit sie nicht selten planlos und einsam erscheinen lässt. Mancher hilft sich, indem er seine Rolle weiterspielt, wie die entrückten Figuren in den scheinbar verblichenen Bildern von Stefanie Schneider, die in übertriebenem Outfit die vorgeblich privaten Posen der Diven auf Pin-up-Niveau nachleben. Grell und zugleich zerbrechlich sind diese Gestalten, die sich aus einem kalkulierten Fundus an Requisiten bedienen, während sie dem Betrachter vorgaukeln, sich unbeobachtet zu fühlen. Die Fotografin inszeniert perfekt das elegische Ambiente zauberhafter Melancholie und erzeugt geschickt eine falsche Sentimentalität, die sie sogleich als solche entlarvt. Jede Generation braucht eine neue, zeitgemäße Auflage, die die Erfüllung der Sehnsüchte und Fantasien der Männerwelt in Aussicht stellt.

Generationen von großen Fotografen haben an diesen Ikonen gefeilt und der aus Casablanca gebürtige Jacques Olivar ist Prinzipal unter ihnen, ein Könner im Umgang mit Models, die längst den Status von Celebrities erlangt haben. Cindy Crawford, Monica Belucci oder Sophie Dahl – in ihnen lebt der Schlafzimmerblick fort, der Schmollmund, das laszive Räkeln, die Verführung leicht geöffneter Lippen. Meisterhaft sind diese archaischen Reize auf die Traumfrauen von heute übertragen und man ist fast
geneigt zu glauben, sie hätten sie erfunden.

„Frauen werden geboren, um Kunst zu sein“, könnte der Chinese Yang Yong seinem Kollegen Jacques Olivar von Shenzen aus zurufen. Die schnell wachsende Metropole nahe Hongkong bietet alles in atemberaubender Künstlichkeit, was modern-mondänes Leben auszumachen scheint, aber dennoch oder gerade deshalb klaffen an allen Ecken Löcher lähmender Langeweile, in denen Yang Yongs Protagonistinnen hocken. Sie vermitteln das Bild der Tristesse im Luxus und stehen für den Konflikt zwischen ihrer gesellschaftlich vorbestimmten Rolle und dem Vakuum westlich geprägter Großstadtkultur. Yangs Modelle sind junge Frauen aus der Provinz, die nicht selten ihr Dasein durch Prostitution finanzieren, aber auch Freunde des Fotografen, mit denen er die Impressionen der Einsamkeit in Hochglanz-Shots zu einer Art Fotoromanza fortspinnt. Dabei entstehen Serien wie Tagebuch einer grausamen Jugend (2001), in denen er typische Alltagsszenen des „new urban life“ inszeniert.

Bei Wojtek Wieteska steht die Reise am Anfang jeder visuellen Erfahrung. Sein Ehrgeiz, eine authentische Aufnahme der erkundeten Orte in Form von „fotografischen Essays“ zu erschaffen, verlangt die Suche nach zufälligen, spontanen Bildausschnitten. Durch das Objektiv verdichten sich seine Eindrücke zu kollageartigen, visuellen Erzählungen aus Licht und Schatten.

In einem solchen urbanen Dasein amerikanischer Prägung entdeckt auch Jan Wandrag seine Protagonisten einer „;Non-straight street photography“, wie er seine Arbeit nennt. Non-straight ist sie in doppeltem Sinn, denn zum einen schert sie sich nicht um ein visuelles Ethos von purer, direkter, unmanipulierter Fotografie, zum anderen etabliert sie einen schwulen Blick. Die hübschen Jungs auf seinen Fotos beginnen in Bildgeschichten ein Eigenleben und werden dem Alltag und ihrer Zeit ein wenig entrückt, verklärt etwa zu Gestalten der biblischen Geschichte von David und Jonathan, die in diesem Ambiente wieder ebenso profan wie aktuell erscheint.

Ähnlich schwelgerisch rückt Holger Jacobs mit computergestütztem Impressionismus und gesättigter Ästhetik den allgegenwärtigen erotischen Phänotypen zu Leibe. In cremiger Sinnlichkeit, die den Augen und der Erinnerung gleichermaßen schmeichelt, inszeniert er die Farbe – und in der Farbe mit Vorliebe die Über-Frau, von der einmal treffend gesagt wurde, sie sei nicht mehr und nicht weniger als eine „alles verheißende und doch nichts versprechende himbeerfarbene Geste.“

Das Glitzern der Glamourwelt ist zunächst die versuchte Täuschung einer Industrie der Sehnsüchte. Ihre Produktion ist längst perfektioniert und läuft reibungslos. Glamour ist aber auch die Oberfläche, die sofort die Frage nach dem Dahinter aufwirft. Gerade die Glätte der dünnen Schale macht auch die feinsten Risse offenbar, in denen die Positionen von Fotokünstlern wie jeweils auf ihre ganz eigenwillige Weise Wurzeln schlagen. Andere begnügen sich damit, der Faszination des Glamour eine ungebrochene, aber moderne Fassade zu verleihen. Wieder andere verwandeln die Objekte ihrer persönlichen Begierden, die sie im Alltag erspähen, durch Bildmanipulation zu filmtauglichen Ikonen

LUMAS Hamburg
Vernissage: Freitag, 21. Juli 2006, 19 – 21 Uhr, Große Elbstraße 68. 22767 Hamburg. Tel: 040.38 90 48 60, Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr, So 13-18 Uhr

LUMAS München
Vernissage: Freitag, 21. Juli 2006, 19 – 21 Uhr, Briennerstraße 3, 80333 München, Tel 089.25 54 88 30, Mo-Fr 10- 20 Uhr, Sa 10- 19 Uhr, So 13- 18 Uhr

Weitere Infos unter http://www.lumas.de

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