Tagesarchiv für den 10. September 2006

Shomei Tomatsu: Haut einer Nation

[mygal=ShomeiTomatsu]Vom 2. September bis 19. November 2006 zeigt das Fotomuseum Winterthur (Halle und Galerie) Fotografien von Shomei Tomatsu. „Haut einer Nation“ weist auf all die Oberflächen hin, auf Gesichter, Kleider, Böden, die zusammen wie eine Landkarte über die Befindlichkeit Japans Auskunft geben.

Shomei Tomatsu, 1930 geboren, während des Militärregimes im 2. Weltkrieg aufgewachsen, gehört zur „glaubenslosen“ Generation, wie er selbst es formuliert hat, zur Generation, die Japans schockartigen Wechsel aus einer geschlossenen in eine offene Gesellschaft miterlebt hat. Seine ersten Bilder in den fünfziger Jahren galten dem verarmten Leben im Nachkriegsjapan, den verwundeten Soldaten, Töpfern, von Überschwemmungen betroffenen Bauern, den Schülern und Studenten armer Bevölkerungsschichten. Ende der fünfziger Jahre begründete er die Fotoagentur „Vivo“ mit Kikuji Kawada, Eikoh Hosoe und anderen. In den sechziger Jahren wurde er zum wichtigsten und einflussreichsten Nachkriegsfotografen. Seine Freunde in anderen Medien waren der Filmemacher Nagisa Oshima, der Theaterdirektor Shuji Terayama, der Butoh-Tänzer Tatsumi Hijikata und der Schriftsteller Kobo Abe.

Diese erste grosse Retrospektive außerhalb Japans ermöglicht einen umfassenden Überblick über das Werk von Shomei Tomatsu, seine Position innerhalb der japanischen NachkriegsAvantgarde und seine zentrale Rolle in der Entwicklung der modernen japanischen Fotografie. Die Ausstellung zeigt mit ihren rund 260 Fotografien alle wesentlichen Werkgruppen, zum Beispiel "Nagasaki 11.02", das erschütternde Essay über die Auswirkungen der Atombombe, über das Leben der Überlebenden oder „Chewing Gum and Chocolate“, sein erster Versuch, die tiefgreifende Amerikanisierung Japans nach dem Krieg – mit dem grossen Zwist zwischen der militärischen Bedrohung und der kulturellen Anziehung, der Verführung durch den Hollywood-Glamour – in fotografische Bilder zu fassen. Shomei Tomatsu führt vom alten, traditionellen Japan hinein in das Japan des wirtschaftlichen Erfolgs und zeigt uns die Auswirkungen dieser wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Veränderungen. Mit seiner Haltung, seinem dokumentarisch unterlegten, lyrisch-symbolischen Blick beeinflusste er Generationen von japanischen Fotografen. Er ist der Vater der modernen japanischen Fotografie und hat Nobuyoshi Araki und Daido Moriyama genauso geprägt wie später Seiichi Furuya, Takashi Homma und Yoshiko Seino – alles FotografInnen, die im Fotomuseum Winterthur früher schon vorgestellt worden und in seiner Sammlung vertreten sind.

Die Ausstellung wurde vom San Francisco Museum of Modern Art und der Japan Society, New York, zusammengestellt. Kuratoren sind Sandra S. Phillips und Leon Rubinfien.

Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen mit Texten von Leo Rubinfien, Sandra S. Phillips und John W. Dower sowie einem Vorwort von Daido Moriyama. 224 Seiten, 131 Duplex- und 28 Farbabbildungen, Format 24 x 26,5 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, inkl. Beiheft mit deutscher Übersetzung. Ausstellungspreis: CHF 59.-

Das Symposium „Japanische Nacht - Fotografie und Lifestyle in Japan von 1945 bis heute“ findet am Freitag, 27. Oktober 2006 von 18 bis 24 Uhr statt.

Weitere Infos unter http://www.fotomuseum.ch

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