“Im Bordell geboren” – fotografierende Kinder im Rotlichtviertel von Kalkutta
24.Oktober 2006
In Kalkuttas Rotlichtviertel versucht eine Gruppe von Kindern, sich durchzuschlagen. Sie alle wachsen in den Bordellen ihrer Mütter auf, in denen ein brutaler Alltag herrscht. Das Leben der Kinder ändert sich an dem Tag, an dem die New Yorker Fotografin Zana Briski auftaucht und damit beginnt, ihnen das Fotografieren beizubringen. „Im Bordell geboren“ von Zana Briski und Ross Kauffman erzählt die Geschichte von zwölf Kindern, die lernen, an sich zu glauben und bereit sind, für eine bessere Zukunft ihrbisheriges Leben hinter sich zu lassen.
Zana Briski ist vor Ort, um als Fotografin den Alltag der Prostituierten zu dokumentieren. In den Bordellen knüpft sie schnell Kontakt zu den Kindern und verbringt viel Zeit mit ihnen. Briski schenkt ihnen einfache Kleinbildkameras und entschließt sich, einer Gruppe von zwölf Kindern Fotografieunterricht zu geben. Die ersten Bilder zeigen nicht nur das große Talent der Kinder. Das Fotografieren scheint etwas in ihnen zu wecken: Sie fangen an, sich und ihre Umgebung mit Hilfe der Kameras neu zu entdecken. Diese Erfahrung setzt einen Prozess in Gang, der Licht und Hoffnung in das Leben der Kinder bringt. Während die Kinder das Fotografieren lernen, kommen sie mit dem Leben außerhalb des Rotlichtviertels in Berührung. Sie machen Bilder von Straßenszenen, Tieren im Zoo und sie fotografieren sich gegenseitig am Strand.
Fasziniert vom Talent ihrer jungen Schützlinge beginnt Briski, sich um deren Zukunft zu ümmern. Sie fasst einen Entschluss und stellt sich der Aufgabe, die Kinder aus denBordellen herauszuholen. Viele der Kinder gehen nicht regelmäßig zur Schule. Auf staatliche Unterstützung brauchen sie erst gar nicht zu hoffen. Internate zu finden, dieKinder von Prostituierten aufnehmen, scheint ein aussichtsloser Kampf zu sein. Doch Briski nimmt ihn auf: Sie schlägt sich mit Indiens übermächtigter Bürokratie herum, geht auf die Suche nach Geburtsurkunden, Lebensmittelkarten und anderen schier unauffindbaren Dokumenten. Am Ende fehlt schließlich noch ein Aidstest der Kinder.Aber auch den kann Briski organisieren. In der Zwischenzeit arrangiert sie eine ersteAusstellung mit Fotografien der Kinder, zunächst in New York, später auch in Kalkutta. Die Freude und der Stolz der Kinder über die Resonanz ihrer eigenen Arbeit ist eineder wohl rührendsten und beeindruckendsten Szenen von „Im Bordell geboren“.
2005 erhielt „Im Bordell geboren“ den Oscar für den „Besten Dokumentarfilm“. Bei 3sat ist der Dokumentarfilm am 1. November um 23.30 Uhr im Rahmen des Thementags „Indien entdecken“ zu sehen.
Weitere Infos unter http://www.3sat.de/ oder http://www.kids-with-cameras.org
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