Olaf Martens in der Galerie f5,6
[mygal=OlafMartens]Bis zum 28. November präsentiert die Münchner Galerie f5,6 anlässlich der großen Einzelschau im Kunstforum Halle neue und unveröffentlichte Arbeiten des deutschen Fotografen Olaf Martens. Olaf Martens Arbeiten werden auch im Rahmen der Paris Photo 2006 im November gezeigt werden.
Olaf Martens Arbeiten zeichnen sich seit seinen Anfängen durch den beständigen Taumel zwischen Schein und Sein, zwischen Inszenierung und Natürlichkeit aus. Er untergräbt die scheinbar homogene Fassade des Fotografischen, lässt sie durch die Kombination widersprüchlicher Details zerspringen, so dass die Ungereimtheiten anschaulich werden und kombiniert sie in einer betont hybriden Mixtur aufs Neue.
In konstruierten Bildwelten werden Schönheit, Glanz und übermütig inszenierter Schein eingefangen. Dabei entzieht sich Martens inhaltlich jeglicher Kategorisierung, indem er meist mit viel Humor Versatzstücke aus der Kunst, Politik, Geschichte und Mode-, Lifestyle-, Architektur-, Sozial-, ja sogar Tierfotografie zu einem postmodernen Eklektizismus zusammenfügt.
Das Sujet der Peripherie ist für Martens von Anfang an immer wieder ein Thema. Martens liebt es, in dunklen Ecken, alten baufälligen Fabriken und Stadträndern zu fotografieren. Seine Arbeiten werden meist in Ostdeutschland, der tschechischen Republik, der Türkei und Russland realisiert.
Eine andere Form der Peripherie ist die der gesellschaftlichen Außenseiter. Putzfrauen, Revuetänzerinnen, überdicke Frauen, Transvestiten oder Liliputaner tauchen ähnlich wie in David Lynchs Filmen immer wieder als Figur auf. Ironisch setzt Martens sie immer in direkten Zusammenhang mit dem scheinbar Schönen: dem Model, das aber wiederum in Martens Bilderwelten in Strapsen, Seidenstrümpfen, High Heels, Latex, Gasmasken, extremen manierierten Posen aufkreuzt.
Das andere Thema, welches die Ausstellung aufgreift, ist Martens Interesse am Unfall (Havarie). Seien es inszenierte Verwundungen, Menschen die durchs Bild huschen, wo sie eigentlich nicht hingehören, kleine Momente wo die Augen des Models nicht richtig offen sind, oder der Mund seltsame Formen macht. Überbelichtung usw. sind ein wichtiger Teil von Martens Bildsprache. Martens Ziel ist es nicht, ein fotografisches Abbild zu nehmen, sondern ein Bild zu realisieren, das dem Betrachter eigentlich immer nur zu einer genaueren Betrachtung einlädt, in dem dann aber nichts mehr so ist wie es scheint. Martens öffnet alle möglichen Räume für die Phantasie des Betrachters - gleich der russischen Puppe Babuschka, die scheinbar unendlich viele weitere Puppen in sich birgt.
All dies zusammen und noch vieles mehr ergibt Martens verrückte, verspielte, oft opulente, humorvolle Bilderwelt, die ihresgleichen sucht. In vielen Hinsichten ist Martens Bilderwelt eigentlich näher an der Malerei als in der klassischen Fotografie zuhause.
Olaf Martens studierte Fotografie an der Hochschule Graphik und Buchkunst in Leipzig. Seine Zeitgenossen ist die so genannte Leipziger Schule mit Künstlern wie Neo Rauch, Tim Eitel oder Tilo Baumgärtel.
Seit Ende der 90er Jahre sind Martens Arbeiten in einer Vielzahl von erfolgreichen Gruppen- und Einzelausstellungen wie im Deutschen Historischen Museum Berlin, Moskauer Haus der Fotografie, Kunstmuseum Bonn, Grassi Museum Leipzig, Leopold Museum Wien, Kunstforum Halle sowie auf internationalen Kunstmessen und in Galerien in Europa zu sehen. Seine Arbeiten sind u.a in der Sammlung Goetz und Sammlung F.C. Gundlach vertreten sowie in anderen privaten Sammlungen.
Weitere Infos unter http://www.f56.net
jetzt kommentieren? 13. November 2006