Tagesarchiv für den 14. März 2007

VIDEONALE 11 – Festival für zeitgenössische Videokunst

Lia_Henning-EatMe4.jpgRot, erotisch, animalisch, changierend zwischen Glamour und Kanibalismus – so offenbart sich der monitorfüllende Mund mit den makellos weißen Zähnen. Die Arbeit der in England lebenden Videokünstlerin Lia Anna Henning ist eine von fünfzig Positionen, die die VIDEONALE 11 vom 15. März bis 15. April 2007 im Kunstmuseum Bonn präsentiert. Neben neuen Videoarbeiten u.a. von Jeanne Faust, Christoph Girardet oder Mischa Kuball stehen Werke von jungen Künstlern wie etwa dem Japaner Hideyuki Tanaka, der die skurrilen Riten um eine gottgleiche Figur namens Jappy zeigt, oder dem Franzosen Jean-Gabriel Périot, der die öffentliche Bestrafung von französischen Frauen, denen eine Affäre mit deutschen Männern während des Krieges nachgesagt wurde, untersucht.

„Wir wollen die ganze Bandbreite von Videokunst heute zeigen. Uns interessiert vor allem der Appeal des Gegenwärtigen. Auffällig ist die ungeheure Vielfalt der eingereichten Arbeiten: Narrative und dokumentarische Positionen, Clips, Animation und Zeichentrick, politische Videos, rein am Formalen interessierte Werke, Performance-Video. Eine interessante Strömung sind in diesem Jahr Videos von Künstlerinnen und Künstlern mit Migrationshintergrund: Noch nie hatten wir so viele Arbeiten von Künstlern, deren Namen auf den ersten Blick so gar nicht zum Land, in dem sie wohnen, passen wollen“, so Georg Elben, Kurator der VIDEONALE 11.

Über 600 aktuelle Videoarbeiten – unter anderem aus Taiwan, China, Korea, Australien, Brasilien, Spanien, Frankreich und den USA – hat die fünfköpfige Jury gesichtet. Eine Woche lang tagten Cecilia Anderson, die in Liverpool als freie Kuratorin für die Tate Liverpool arbeitet, Karen van den Berg, Kunstwissenschaftlerin von der Zeppelin University Friedrichshafen, Katja Davar, Künstlerin und Teilnehmerin der Videonale 10, Tomasz Wendland, Künstler und Kurator des IF Museum Inner Spaces aus Poznan und Georg Elben, Kurator der Videonale 11, in den Räumen der KfW-Bankengruppe, die auch in diesem Jahr wieder maßgeblich die VIDEONALE unterstützt.

Als Fortsetzung der monatlich stattfindenden Reihe ELEKTRONENSTRÖME behandelt das umfangreiche Rahmenprogramm der VIDEONALE 11 theoretische und praktische Aspekte des Themas Videokunst: Workshops, Experten-Vorträge und künstlerische Statements thematisieren die Besonderheiten von Video als künstlerischem Medium in Bezug zu anderen Medien der bildenden Kunst. Unter anderem stehen in diesem Jahr Fragen des Copyrights sowie deren Auswirkungen auf Ausstellungen und Sammlungen zur Diskussion. Mit dem Konzept der Video:Dialoge hat der Besucher die Möglichkeit, mit Studenten der Kunstgeschichte die Werke im individuellen Gespräch zu diskutieren.

Anlässlich der VIDEONALE 11 erscheint ein zweisprachiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen der ausgestellten Arbeiten, wissenschaftlichen Aufsätzen und einer DVD.

Weitere Infos unter http://www.videonale.org

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