Bettina Rheims: Heroines
24.April 2007
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Bettina Rheims hat ihren neuesten Bildband Heroinen gewidmet. Sie stellt die faszinierenden weiblichen Gestalten aus der römischen und griechischen Mythologie auf provokante Weise in einen modernen Kontext und schafft ein äußerst fragiles und zugleich kraftvolles Frauenbild. Bettina Rheims Heldinnen sind verletzlich, angreifbar und verwundbar. Sie zeigen Haut – geschundene, behandelte und gelebte Haut, die ungeschützt dem Auge des Betrachters ausgeliefert ist.
Unebenheiten werden nicht überdeckt, sondern betont und hervorgehoben. Make-up wird einzig zur Verstärkung bestimmter Merkmale eingesetzt. Narben, Muttermale oder Schürfwunden werden zum entscheidenden Symbol für das, was Identität stiftet und Individualitätschafft.
Film und Werbung bekannt (z.B. Milla Jovovich oder Laetitia Casta), dieIhre Modelle präsentieren sich nahezu hüllenlos. Die Kleider, die lediglich ein Mindestmaß an Schutz bieten, wirken abgetragen und zerknittert, auch wenn die Textur – Tüll, Schleier, Satin, Spitze, Perlen oder Pailletten – auf Haute Couture schließen lässt. Die edlen, teilweise zerrissenen Stoffe werden provisorisch zusammengehalten, mal mit Klebestreifen, mal mit Schnüren oder einfach mit dem, was das Material hergibt. Rheims dekonstruiert die gängige Vorstellung von Schönheit und macht die Wunden sichtbar. Besonders deutlich wird dieser Vorgang dadurch, dass sie sich aus dem Repertoire der Modewelt bedient, die meisten Protagonistinnen sind aus Film und Werbung bekannt (z.B. Milla Jovovich oder Laetitia Casta), die Accessoires stammen von dem Pariser Modedesigner Jean Colonna.
Zweites, zentrales Element ist ein aus Pappmaché modellierter Stein. Er dient alsPodest oder Sockel, an den sich die Frauen anschmiegen, an dem sie sich festhalten. Die Fotografin spielt damit, wie sie sagt, auf das traditionelle Melancholia-Motiv an, das eine einsame Frau auf einem Felsen sitzend zeigt. Um die Fragilität der Portraitierten zu unterstreichen, taucht Rheims die Szenerie in künstliches, kaltes Studiolicht, wie man es von Künstlerateliers im 19. Jahrhundert kennt.
Dennoch wirken die Frauen – und das ist wohl das Entscheidende – gerade in ihrer Verletzlichkeit stark und selbstbewusst, strahlen eine Faszination aus, der sich der Betrachter kaum entziehen kann. Das Vorwort zum Buch stammt aus der Feder der französischen Journalistin undSchriftstellerin Caterine Millet, die mit ihrem skandalträchtigen Buch „Das sexuelle Leben der Catherine M.“ international bekannt wurde.
Bettina Rheims: Héroines, mit einem Essay von Catherine Millet, 134 Seiten, 53 Farbtafeln, Ladenpreis: 49,80 Euro.
Weitere Infos unter http://www.schirmer-mosel.com
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