Peter Granser – Signs II
20.Oktober 2007
Kaune, Sudendorf, Köln, 13.10. - 09.11.2007
Kein Zweifel, wer hier nichts zu suchen hat. NEVER HILLARY proklamiert unausweichlich ein Großflächenplakat, das irgendwo an einem Feldweg in Texas verortet ist. Neun Autoreifen, im unwirtlichen Boden halb um das Holzgestell eingegraben, sollen mögliche Kollisionen verhindern. Peter Granser stieß auf das bezeichnende Motiv bei seiner territorialen Erkundung des US Bundesstaates Texas, der zum Synonym einer konservativen Hegemonialmacht in der Ära von George W. Bush geworden ist.
Peter Granser hat seiner jüngsten Werkserie, die 2006/07 in Texas entstanden ist, den Titel ‘Signs’ gegeben. Bei seiner ausgedehnten photographischen Erkundung des US-Bundesstaates galt es, visuell fassbare Bezugsgrößen ausfindig zu machen, den aktuellen Seelenzustand Amerikas offen zu legen.
Nach ‘Sun City’ und ‘Coney Island’ bildet ‘Signs’ die dritte Werkgruppe des Photographen, die ein signifikantes Gegenwartsbild der USA entwirft. Mehr als 19.000 Kilometer reiste Granser durch die klischee- und mythenbeladene Republik im Süden der Vereinigten Staaten, durch ein Land, das doppelt so groß wie Deutschland ist und seit jeher als exzentrisch, reaktionär und maßlos beurteilt wird. Zugleich gilt Texas als Kernland einer fundamentalistisch-konservativen Gesinnung, wie sie die Beibehaltung der Todesstrafe und die Politik der Bush-Administration gegenwärtig paradigmatisch verkörpern.
Im zweiten Teil seines Photoprojekts ›Signs‹ kreiert Peter Granser bewusst ein semantisch düsteres Gegenbild zur Eigenperspektive der texanischen Region, die stark von scheinbarem Optimismus geprägt ist, um insbesondere die US-spezifische Durchdringung nationalpatriotischer und wirtschaftlicher Interessen mit puritanischen Glaubenssätzen aufzuzeigen.
Verkündigungen, Slogans und unbewusst gesetzte Zeichen, die vehement in den öffentlichen Raum des Landes dringen, zeugen von einem fast allgegenwärtigen kollektiven Kraftakt der Südstaatengesellschaft, festgefahrene Werte und Vorstellungen aufrecht zu erhalten. Anstatt eines Warenangebots schmückt etwa ein Restaurant seine Holzfassade mit dem national beflaggten Segensspruch „God bless our President & Troops“. Analog reduziert eine methodistische Holzkirche ihre Heilslehre auf das Diktum „Word of Truth“, eine anderer Kirchenbau wiederum verheißt „Where the Spirit of the Lord Is. There Is Freedom“. Nicht selten dokumentiert Peter Granser in seinen Farbphotographien die Fallhöhe, die ein fast zwanghaft anmutendes Bedürfnis nach Orientierung und Halt bereithält. Ein blonder Mann mit Sonnenbrille nimmt etwa die Jesusnachfolge wörtlich und schultert ein Holzkreuz auf einem Einrad.
Kaune, Sudendorf Gallery for Contemporary Photography
Albertusstr. 26, 50667 Köln
Dienstag bis Samstag 12-18 Uhr
http://www.ks-contemporary.com
Artikel gespeichert unter: Ausstellungen
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