Monatsarchiv für März, 2008
Berlin, 08.03. bis 11.05.08
Glatte Oberfläche, pure Attitüde, eingefrorene Posen, erstarrte Gesten – Bettina Rheims perfekt inszenierte Fotografien spielen mit dem Klischee der Verführung und der Illusion des Glamours. Offensiv stellt sie Intimität zur Schau. Nackte Frauen als Lustobjekt mit erigierten Brustwarzen, rasiertem Schamhaar, in obszönen Stellungen. Die Aufnahmen sind gewagt, jedoch nicht lüstern oder vulgär. Ohne Sentimentalität, ohne Nostalgie, jenseits gängiger Schönheitsideale. Aber mit einem besonderen weiblichen Blick, der nie voyeuristisch bloßstellt, sondern in einer unterkühlten Oberflächkeit den Respekt vor den porträtierten Frauen behält.
Erstmals in Berlin präsentiert C/O Berlin 95 Bilder von Bettina Rheims aus insgesamt acht Serien – unter anderem aus „Chambre Close” und „Shanghai”. In dieser Ausstellung, die das Verhältnis zwischen künstlerischem und angewandtem, kommerziellen Werk der französischen Fotografin thematisiert, werden drei Serien weltweit zum ersten Mal gezeigt. Zur Ausstellung erscheint bei Schirmer/Mosel ein Katalog mit einem Essay des renommierten französischen Kunstkritikers Prof. Dr. Philippe Dagen.
In ihren opulent farbigen Serien dekonstruiert Bettina Rheims die gängigen Vorstellungen von Schönheit und Glamour und macht so Wunden sichtbar. Die Frauen wirken unperfekt,
gleichzeitig verletzlich und – das ist das Entscheidende – gerade in ihrer Verletzlichkeit souverän und selbstbewusst. Diese Spannung löst eine starke Faszination aus. Bettina Rheims inszeniert die Frauen vor der Kamera nicht allein, sondern die Porträtierten sich vielmehr selbst. So entsteht zwischen den künstlichen Posen und Parodien von Posen ein freier Spielraum, der trotz der Hochglanzästhetik zu einer Authentizität führt. Sie konstruiert ihre Bilder, indem sie die Stereotypen aus Malerei, Kino und Werbung orchestriert und pervertiert. Letztendlich geht es in ihren Fotografien um Wahrheit, die in der Inszenierung liegt, sowie dem Besitzverhältnis am menschlichen Körper im fotografischen Akt – wie mächtig ist die Fotografin, wie autonom das Ich?
BildONLINE
Von Thomas Helbing:
Zungenküssende Frauen, die sich mit roten Fingernägeln intim berühren – es sind provokante Fotos, die das Buch „Can you find happiness“ zeigt. Bilder der Fotografin Bettina Rheims, zu sehen auch in einer Ausstellung in der c/o Galerie in Berlin.
Bettina Rheims hat viele Stars fotografiert: Madonna, Claudia Schiffer, Kylie Minogue, Sharon Stone, Kristin Scott Thomas. Doch neben ihren Starporträts sind es vor allem ihre provokant-erotischen Fotografien, die unser voyeuristisches Auge anlocken.
Intimität wird oberflächlich dargestellt: nackte Frauen mit erigierten Brustwarzen, rasiertem Schamhaar, in obszönen Stellungen. Dafür wird Bettina Rheims oft mit Helmut Newton verglichen, dessen Schülerin sie war. Die Fotografin gibt ihren Models ein selbstbewusstes Erscheinungsbild. Ihre Frauen sind nicht als Opfer dargestellt, sondern verkörpern stolze Weiblichkeit.
Rheims arbeitete selbst als Model und begann 1978 mit dem Fotografieren. Ihre ersten Modelle waren Pariser Stripperinnen.
„Was Nacktheit betrifft, da gehen andere Fotografen weiter“, sagt Bettina Rheims. „Ich mache Fotos mit Frauen und für Frauen. Nie würde ich meine Modell zu etwas zwingen, von dem ich nicht wollte, dass man es mit mir täte.“
Wenn auf den Hochglanzfotos Blut spritzt und Gliedmaßen durch die Luft fliegen, dann erinnert das an Filme von Quentin Tarantino. Wenn Models in schwarz-weißen Stummfilmposen nach Marlene Dietrich posieren, dann wird deutlich, dass ihr fotografisches Rollenspiel oft vom Kino inspiriert ist.
Bettina Rheims’ Bilder sind Hingucker – nicht nur für Männer. Sie sagt: „Es sind übrigens vor allem Frauen, die meine Bilder mögen.“
Die Ausstellung Bettina Rheims „Can you find happiness?“ in der Galerie c/o Berlin, Oranienburger Straße, 8. März bis 11. Mai täglich 11 bis 20 Uhr. Das Buch ist im Verlag Schirmer/Mosel erschienen und kostet 24,80 Euro.
Kurzes Video zur Ausstellung (3:30 min.)
www.co-berlin.info
26. März 2008
11.04.-20.04.2008 Hamburg
10 Festivaltage für die Fotografie: Vorträge, Filme, Projektionen und Begegnungen. Begleitend finden in allen großen Museen und zahlreichen Hamburger Galerien Fotoausstellungen statt, die auch über den Festivalzeitraum hinaus zu sehen sein werden. Neben den Arbeiten etablierter Künstler wird auch neuen Talenten ein Forum geboten.
Zahlreiche Fotoausstellungen in Museen, Galerien und sonstigen Veranstaltungsorten, Round Table Gespräche sowie Galerientouren und Empfänge werden die 4. Triennale der Photographie zum kulturellen Ereignis des Jahres 2008 in Hamburg machen.
Zum Auftakt eröffnet das Haus der Photographie die Retrospektive zum Werk von F. C. Gundlach, einem der bedeutendsten deutschen Modefotografen der Nachkriegszeit. Die Ausstellung „Das fotografische Werk“ zeigt Modefotografie aus vier Jahrzehnten, in denen F.C. Gundlach Mode in Szene gesetzt hat und damit selbst ein Stück Modegeschichte geschrieben – die Geschichte der Kleidung, aber auch der Posen und Gesten, Requisiten und Locations, der Schönheitsideale in ihrem Wandel.
Weitere Ausstellungen im Rahmen der Triennale der Photographie zeigen u.a. Fotografien von Sharon Lockhart, Candida Höfer, Fischli-Weiss, Walter Schels, Karin Székessy und Winston Link. Dazu werden die Hamburger Galerien das Programm vielfältig ergänzen.
Jungen und etablierten Fotografen bietet die Portfolio-Sichtung am zweiten Wochenende der Triennale die besondere Möglichkeit, die Leiter internationaler Fotofestivals zu treffen und ihre Arbeiten bewerten zulassen.
Anmeldung zur Portfolio-Sichtung für Fotografen: http://www.phototriennale.de
Der Treffpunkt der Triennale 2008 wird diesmal ein Zelt auf dem Deichtorplatz sein, direkt gegenüber vom Haus der Photographie. Als zentraler Informations- und Veranstaltungsort finden hier abendliche Lichtbildpräsentationen sowie eine Vortragsreihe mit dem Schwerpunkt „Say Cheese – Über das Lächeln in der Fotografie“ statt.
Zur Triennale erscheint ein Katalog und ein kostenloser Guide.
11.04.-20.04.2008 Hamburg
Triennale der Photographie Hamburg GmbH
c/o Haus der Photographie
Deichtorhallen
Deichtorstrasse 2
20095 Hamburg
www.phototriennale.de
26. März 2008
Hamburg
25. Januar bis zum 13. April 2008
Das jährliche Cannes Lions – International Advertising Festival im französischen Cannes ist eine der weltweit bekanntesten Veranstaltungen der Werbebranche. Der Stellenwert der dort verliehenen "Löwen" in Gold, Silber und Bronze entspricht dem des Oscars in der Filmbranche oder der Olympischen Spiele im Sport.
Das Festival wurde 1954 von europäischen Kinowerbern – inspiriert von den Internationalen Filmfestspielen in Cannes und Venedig – als International Advertising Film Festival gegründet und fand bis 1984 im jährlichen Wechsel zwischen Cannes und Venedig statt. Als sich das Festival 1992 auch dem Printbereich (Presse & Outdoor, d. h. Anzeigen und Plakate) öffnete, wurde der Zusatz "Film" aus dem Namen gestrichen. Seitdem kamen laufend neue Kategorien hinzu, u. a. die Young Creatives (1994) für unter 30-Jährige, die Cyber Lions (1998) für Online-Marketing und die Media Lions (1999) für die Auszeichnung von Medienstrategien.
Mittlerweile werden in Südfrankreich alle wichtigen Kommunikationsdisplizplinen ausgezeichnet. So auch Plakatwerbung. Vor zwei Jahren wurde eine eigenständige Kategorie „Outdoor Media“ initiiert. Hier stellen die weltweit besten Kreativen die unendlichen Möglichkeiten von Außenwerbekampagnen eindrucksvoll unter Beweis.
Die Ausstellung vereint zweihundert Kampagnen aus dem vergangenen Jahr. Angereichert mit weiteren kreativen Highlights aus anderen Kommunikationsdisziplinen, die multimedial präsentiert werden - und natürlich darf auch die Cannes-Rolle selbst nicht fehlen.
Es erscheint dazu ein Katalog (15 Euro).
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099 Hamburg
zu den Outdoor Lions
05. März 2008
Ausstellung Bielefelder Fotografie-Studierender im Forum für Fotografie, Köln
2. März - 11. April 2008
Vor rund 200 Jahren forderte der Dichter Novalis: „Die Welt muß romantisiert werden.“ Er meinte damit ein „Hinaufstimmen“ kraft der eigenen Phantasie, um die Zumutungen seiner Gegenwart aushalten zu können. Seither hat „das Romantische“ meist in schlechten oder unsicheren Zeiten Konjunktur – und zwar bis heute, was u.a. im vergangenen Jahr Rüdiger Safranski mit seiner Studie zur Romantik als einer „deutschen Affäre“ nachwies.
Am Fachbereich „Gestaltung“ der FH Bielefeld beschäftigten sich Absolventen der Studienrichtung „Fotografie“ mit theoretischen Positionen der historischen Romantik und der Aktualität des Romantischen. Ausgewählte bildnerische Ergebnisse des Seminars sind ab dem 1. März unter dem Titel „fragment.romantik“ im Forum für Fotografie, Köln zu sehen.
Die sehr unterschiedlichen Positionen kreisen um Themenkomplexe wie Naturerfahrung oder seelische Befindlichkeit, und auch die unheimlichen Aspekte der Schauerromantik kommen nicht zu kurz.
Weitere Info zu den Fotografen und der Ausstellung: http://www.forum-fotografie.info/a25.asp
Forum für Fotografie
Schönhauser Str. 8
50968 Köln
05. März 2008
Düsseldorf
29.02. – 13.04.08
Das NRW-Forum zeigt 10 Grafiken von Andy Warhol, die sich mit den amerikanischen Mythen der Alltagswelt beschäftigen: Uncle Sam, Superman, Howdy Doody, der Weihnachtsmann etc.
Ihnen allen ist gemein, dass sie Mythen der Werbung und der Massenmedien sind.
Die Ausstellung wird, neben den Grafiken, aufzeigen, wie Warhol zu seinen Motiven kam, wie er die Mythen auswählte und welche Kriterien dabei im Vordergrund standen; zu sehen sind die “Vorbilder” für seine Motive, die Polaroids, die jedem Motiv vorausgingen; und schließlich eine Fotodokumen-tation der gesamten Produktion in Warhols Factory.
Die Motive Warhols werden auf ihren kunsthistorischen wie ihren konsum/gesellschaftlichen Kontext hin untersucht. Dazu wird ein komplettes Archiv aller Materialien zu diesen Edition erstmals gesichtet und aufgearbeitet.
Die Ausstellung wird von einem sorgfältig recherchierten Katalog begleitet.
NRW-Forum Kultur und Wirtschaft
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf
www.nrw-forum.de
05. März 2008