Bettina Rheims . Can You Find Happiness?
26.März 2008
Berlin, 08.03. bis 11.05.08
Glatte Oberfläche, pure Attitüde, eingefrorene Posen, erstarrte Gesten – Bettina Rheims perfekt inszenierte Fotografien spielen mit dem Klischee der Verführung und der Illusion des Glamours. Offensiv stellt sie Intimität zur Schau. Nackte Frauen als Lustobjekt mit erigierten Brustwarzen, rasiertem Schamhaar, in obszönen Stellungen. Die Aufnahmen sind gewagt, jedoch nicht lüstern oder vulgär. Ohne Sentimentalität, ohne Nostalgie, jenseits gängiger Schönheitsideale. Aber mit einem besonderen weiblichen Blick, der nie voyeuristisch bloßstellt, sondern in einer unterkühlten Oberflächkeit den Respekt vor den porträtierten Frauen behält.
Erstmals in Berlin präsentiert C/O Berlin 95 Bilder von Bettina Rheims aus insgesamt acht Serien – unter anderem aus „Chambre Close” und „Shanghai”. In dieser Ausstellung, die das Verhältnis zwischen künstlerischem und angewandtem, kommerziellen Werk der französischen Fotografin thematisiert, werden drei Serien weltweit zum ersten Mal gezeigt. Zur Ausstellung erscheint bei Schirmer/Mosel ein Katalog mit einem Essay des renommierten französischen Kunstkritikers Prof. Dr. Philippe Dagen.
In ihren opulent farbigen Serien dekonstruiert Bettina Rheims die gängigen Vorstellungen von Schönheit und Glamour und macht so Wunden sichtbar. Die Frauen wirken unperfekt,
gleichzeitig verletzlich und – das ist das Entscheidende – gerade in ihrer Verletzlichkeit souverän und selbstbewusst. Diese Spannung löst eine starke Faszination aus. Bettina Rheims inszeniert die Frauen vor der Kamera nicht allein, sondern die Porträtierten sich vielmehr selbst. So entsteht zwischen den künstlichen Posen und Parodien von Posen ein freier Spielraum, der trotz der Hochglanzästhetik zu einer Authentizität führt. Sie konstruiert ihre Bilder, indem sie die Stereotypen aus Malerei, Kino und Werbung orchestriert und pervertiert. Letztendlich geht es in ihren Fotografien um Wahrheit, die in der Inszenierung liegt, sowie dem Besitzverhältnis am menschlichen Körper im fotografischen Akt – wie mächtig ist die Fotografin, wie autonom das Ich?
BildONLINE
Von Thomas Helbing:
Zungenküssende Frauen, die sich mit roten Fingernägeln intim berühren – es sind provokante Fotos, die das Buch „Can you find happiness“ zeigt. Bilder der Fotografin Bettina Rheims, zu sehen auch in einer Ausstellung in der c/o Galerie in Berlin.
Bettina Rheims hat viele Stars fotografiert: Madonna, Claudia Schiffer, Kylie Minogue, Sharon Stone, Kristin Scott Thomas. Doch neben ihren Starporträts sind es vor allem ihre provokant-erotischen Fotografien, die unser voyeuristisches Auge anlocken.
Intimität wird oberflächlich dargestellt: nackte Frauen mit erigierten Brustwarzen, rasiertem Schamhaar, in obszönen Stellungen. Dafür wird Bettina Rheims oft mit Helmut Newton verglichen, dessen Schülerin sie war. Die Fotografin gibt ihren Models ein selbstbewusstes Erscheinungsbild. Ihre Frauen sind nicht als Opfer dargestellt, sondern verkörpern stolze Weiblichkeit.
Rheims arbeitete selbst als Model und begann 1978 mit dem Fotografieren. Ihre ersten Modelle waren Pariser Stripperinnen.
„Was Nacktheit betrifft, da gehen andere Fotografen weiter“, sagt Bettina Rheims. „Ich mache Fotos mit Frauen und für Frauen. Nie würde ich meine Modell zu etwas zwingen, von dem ich nicht wollte, dass man es mit mir täte.“
Wenn auf den Hochglanzfotos Blut spritzt und Gliedmaßen durch die Luft fliegen, dann erinnert das an Filme von Quentin Tarantino. Wenn Models in schwarz-weißen Stummfilmposen nach Marlene Dietrich posieren, dann wird deutlich, dass ihr fotografisches Rollenspiel oft vom Kino inspiriert ist.
Bettina Rheims’ Bilder sind Hingucker – nicht nur für Männer. Sie sagt: „Es sind übrigens vor allem Frauen, die meine Bilder mögen.“
Die Ausstellung Bettina Rheims „Can you find happiness?“ in der Galerie c/o Berlin, Oranienburger Straße, 8. März bis 11. Mai täglich 11 bis 20 Uhr. Das Buch ist im Verlag Schirmer/Mosel erschienen und kostet 24,80 Euro.
Kurzes Video zur Ausstellung (3:30 min.)
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