Tagesarchiv für den 13. April 2008

Sabine Wild ›Aufriss‹

Galerie en passant
Berlin; bis 26.04.2008


Die Fotografien "Aufriss" von Sabine Wild demaskieren das Bild der Stadt New York, indem sie den Blick auf die bauliche Grundstruktur und die Geschwindigkeit innerhalb und außerhalb ihrer Fassaden freilegen. Die skelettartig aufgefächerten Gebäude werden durch unscharfe vertikale und horizontale Farbläufe dynamisiert und so ihrer Tektonik enthoben. Menschenleere Straßen verwandeln sich in transparente, luzide Farbräume.
 
Das Resultat ist eine nachhaltige Spannung, die von gegensätzlichen bildnerischen Mitteln erzeugt wird: Dunklen, horizontalen und vertikalen Linien sind leuchtende Farbpartien gegenüber gestellt und aufgelöste, malerisch wirkende Passagen liegen im Widerstreit mit starren, grafischen Parzellen.

Die Fotografien oszillieren in ihrer Wirkungsästhetik zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, Geschwindigkeit und Statik. Die Unschärfen der Stadtaufnahmen New Yorks schärfen die Wahrnehmung der eigenen Sinneseindrücke.

Außerdem zeigt Sabine Wild ihre neue Serie zum Palast der Republik, entstanden im Dezember 2007. Andrea-Katharina Schraepler, Kunsthistorikerin M.A.

Galerie en passant
Brunnenstr. 169
10119 Berlin

Öffnungszeiten: Tue-Fri 14-18 . Sat 12-16
www.galerie-enpassant.de

Webseite der Künstlerin: http://www.kunstwild.de

 

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Thomas Lüttge ›Time does not exist‹

Fotogalerie Karin Schneider-Henn
Wasserburg, bis 12.05.2008

 Die Fotografien von Thomas Lüttge haben im weitesten Sinn mit Begriffen wie Zeit und Raum zu tun: Zeit, wie sie weder messbar noch greifbar auf sehr unterschiedliche Weise individuell erlebbar ist. Auch der Raum scheint in seinen Fotografien nicht den Gesetzen der klassischen Zentralperspektive zu unterliegen. Seine Darstellung ist eher vergleichbar mit den über- und ineinander gestalteten Elementen in der chinesischen oder japanischen Malerei.

Die Fotografien Lüttges besitzen in ihrer gesteigerten Wahrnehmung eine gewisse Magie, wie sie aus den Bildern der Anfangszeit der Fotografie sprach. Damals führten die langen Belichtungszeiten und die als überrealistisch empfundene Darstellung zu Bildern, die sich der gewohnten Sicht der Realität entzogen. Bei Thomas Lüttge ist es die Konzentration auf den Moment der Aufnahme, in dem die Dinge im Bildgefüge ihren ’surrealen’ Platz finden. In diesem Augenblick verbindet sich das intensive Erleben der äußeren Welt mit jener, die seinen inneren Bildern entspricht.

 Dabei sind ihm bestimmte Orte nicht wichtig, seien es Städte auf seinen Asienreisen, sei es New York, Berlin oder München. Er zeigt Situationen des Übergangs, einen Zustand des Zerfalls und der gleichzeitigen Erneuerung, des Vergehens und des Werdens. Insofern lassen sich Lüttges Fotografien nicht in Kategorien wie dokumentarisch, journalistisch oder architektonisch einordnen. Ihm geht es immer darum, mit seinen Bildern Fragen an den Betrachter zu stellen und mit ihm einen Dialog einzugehen - einen Dialog über Zeit und Raum, in dem menschliches Sein möglich ist. Dies macht seine Fotografien auf den ersten Blick geheimnisvoll und rätselhaft; beim aufmerksamen Betrachten aber eröffnen sich ihre Inhalte in ihrer ganzen Vielschichtigkeit: "Meine Fotografien sind Antworten auf das Jetzt."

© Dieter Hinrichs

Fotogalerie Karin Schneider-Henn
Schmidzeile 12
83512 Wasserburg

Öffnungszeiten: Sat, Sun 14-18

http://www.fotogalerie-ksh.com/ 

 

 

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Judith Joy Ross: Living With War, Portraits 1983 – 2007

Josef Albers Museum Quadrat Bottrop
bis 1. Juni 2008 

 Die Fotografin Judith Joy Ross ist wütend und das ist gut so - findet sie. "Wut ist gut, wenn man weiß, wie man sie entladen kann. Ich fotografiere", sagt die US-Amerikanerin. Im Josef Albers Museum Quadrat sind nun ein Teil ihrer Portraits unter dem Titel "Living With War. Portraits 1983 bis 2007" zu sehen.
Die Wut von Judith Joy Ross richtet sich gegen den Krieg im Irak und alle, die ihn unterstützen. Ihre Wut über die Ungerechtigkeit ist so stark, dass sie ihren Vorsatz, sich niemals für Propaganda instrumentalisieren zu lassen, gebrochen hat. Ihre Bilder zeigen Menschen, die gegen den Krieg demonstrieren. Für ein Ende des Krieges will sich die Künstlerin einsetzen.

Die Ausstellung im Josef Albers Museum fasst nun erstmals drei Gruppen von Portraits amerikanischer Menschen zusammen, die auf unterschiedliche Weise zu den Kriegseinsätzen der USA in den letzten dreißig Jahren in Beziehung stehen. Judith Joy Ross zählt zu den wichtigen amerikanischen Fotografen in der Tradition des ‚dokumentarischen Stils’, deren Arbeit in Europa gleichwohl noch zu entdecken ist.

Seit über 30 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Portrait. Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien konzentrieren sich dabei ganz auf die Physiognomie der Menschen, um durch sie die innere Wirklichkeit der Portraitierten herauszuarbeiten. Sie verzichten auf alle darüber hinaus gehenden zeittypischen Attribute.

Ihre Fotos macht Judith Joy Ross mit einer Kastenkamera, wie sie im 19. Jahrhundert genutzt wurde. Die Abzüge werden im Verhältnis eins zu eins von den 20 mal 25 Zentimeter großen Glasnegativen belichtet. Ross holt sich die Menschen vor die rund acht Kilogramm schwere Kamera und sagt ihnen nur, sie sollen für die mehrere Sekunden lange Belichtungsdauer stillstehen. Nur selten bekommt sie Absagen. Jeder Mensch habe eine Geschichte, mit der aufwendigen Kamera werde deutlich, dass sie sich für die Geschichten interessiere. Die Kamera helfe ihr überdies, vorbehaltlos und sicher mit den Menschen umzugehen. "Die Bilder geben nicht die ganze Geschichte der Menschen wieder, sie sind aber ein Teil der Wahrheit", sagt Ross.

 Judith Joy Ross wurde 1946 in Hazleton, Pennsylvania, geboren. Sie studierte Fotografie am Chicago Art Institute. Heute lebt sie in Bethlehem, Pennsylvania. Für ihre fotografischen Arbeiten hat sie zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, so den Charles Pratt Memorial Award, ein Artist Fellowship des National Endowment for the Arts und ein John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellowship. Das Museum of Modern Art, New York, widmete ihr 1995 eine Einzelausstellung. Ihre Ausstellung im Josef Albers Museum ist erst ihre zweite Präsentation in einem europäischen Museum.

Die Ausstellung im Josef Albers Museum Quadrat ist bis zum 1. Juni zu sehen sein. Das Museum ist dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Josef Albers Museum Quadrat Bottrop
Im Stadtgarten 20
46236 Bottrop
www.quadrat-bottrop.de

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