Judith Joy Ross: Living With War, Portraits 1983 – 2007

13.April 2008

Josef Albers Museum Quadrat Bottrop
bis 1. Juni 2008 

 Die Fotografin Judith Joy Ross ist wütend und das ist gut so - findet sie. "Wut ist gut, wenn man weiß, wie man sie entladen kann. Ich fotografiere", sagt die US-Amerikanerin. Im Josef Albers Museum Quadrat sind nun ein Teil ihrer Portraits unter dem Titel "Living With War. Portraits 1983 bis 2007" zu sehen.
Die Wut von Judith Joy Ross richtet sich gegen den Krieg im Irak und alle, die ihn unterstützen. Ihre Wut über die Ungerechtigkeit ist so stark, dass sie ihren Vorsatz, sich niemals für Propaganda instrumentalisieren zu lassen, gebrochen hat. Ihre Bilder zeigen Menschen, die gegen den Krieg demonstrieren. Für ein Ende des Krieges will sich die Künstlerin einsetzen.

Die Ausstellung im Josef Albers Museum fasst nun erstmals drei Gruppen von Portraits amerikanischer Menschen zusammen, die auf unterschiedliche Weise zu den Kriegseinsätzen der USA in den letzten dreißig Jahren in Beziehung stehen. Judith Joy Ross zählt zu den wichtigen amerikanischen Fotografen in der Tradition des ‚dokumentarischen Stils’, deren Arbeit in Europa gleichwohl noch zu entdecken ist.

Seit über 30 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Portrait. Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien konzentrieren sich dabei ganz auf die Physiognomie der Menschen, um durch sie die innere Wirklichkeit der Portraitierten herauszuarbeiten. Sie verzichten auf alle darüber hinaus gehenden zeittypischen Attribute.

Ihre Fotos macht Judith Joy Ross mit einer Kastenkamera, wie sie im 19. Jahrhundert genutzt wurde. Die Abzüge werden im Verhältnis eins zu eins von den 20 mal 25 Zentimeter großen Glasnegativen belichtet. Ross holt sich die Menschen vor die rund acht Kilogramm schwere Kamera und sagt ihnen nur, sie sollen für die mehrere Sekunden lange Belichtungsdauer stillstehen. Nur selten bekommt sie Absagen. Jeder Mensch habe eine Geschichte, mit der aufwendigen Kamera werde deutlich, dass sie sich für die Geschichten interessiere. Die Kamera helfe ihr überdies, vorbehaltlos und sicher mit den Menschen umzugehen. "Die Bilder geben nicht die ganze Geschichte der Menschen wieder, sie sind aber ein Teil der Wahrheit", sagt Ross.

 Judith Joy Ross wurde 1946 in Hazleton, Pennsylvania, geboren. Sie studierte Fotografie am Chicago Art Institute. Heute lebt sie in Bethlehem, Pennsylvania. Für ihre fotografischen Arbeiten hat sie zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, so den Charles Pratt Memorial Award, ein Artist Fellowship des National Endowment for the Arts und ein John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellowship. Das Museum of Modern Art, New York, widmete ihr 1995 eine Einzelausstellung. Ihre Ausstellung im Josef Albers Museum ist erst ihre zweite Präsentation in einem europäischen Museum.

Die Ausstellung im Josef Albers Museum Quadrat ist bis zum 1. Juni zu sehen sein. Das Museum ist dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Josef Albers Museum Quadrat Bottrop
Im Stadtgarten 20
46236 Bottrop
www.quadrat-bottrop.de

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