Monatsarchiv für Juni, 2008
Weserburg I Museum für Moderne Kunst, Bremen
31. Mai bis 31. Dezember 2008
"Bullshit! Ich liebe die Mädels, das alles ist ein feministisches Missverständnis." So konterte Helmut Newton vor einigen Jahren den Vorwurf von Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer, er und seine Aktfotografien seien sexistisch, gar rassistisch. Newton war Ablehnung gewöhnt. Seine genau inszenierten Aufnahmen mit ihrer bewusst ausgestellten Sexualität waren von jeher gesellschaftliche Provokation. Seine Bilder sprengten in den 1960er Jahren die Grenzen der traditionellen Modefotografie, beschworen ein neues Frauenbild und machten ihn gerade deshalb zu einem der berühmtesten und bestbezahlten Fotografen des 20. Jahrhunderts.
Vom 31. Mai bis 31. Dezember 2008 würdigt die Weserburg, Bremens Museum für moderne Kunst, das bahnbrechende Schaffen Newtons mit einer umfassenden Ausstellung: Auf rund 750 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind Werke aus einer in dieser Form noch nie gezeigten Bremer Privatsammlung zu sehen.

"Helmut Newton – Fotografien" fächert das breite Spektrum des revolutionären Mode- und Aktfotografen auf. Neben den großformatigen, lebensgroßen "Big Nudes", zu denen Newton durch Fahndungsfotos der RAF-Terroristen inspiriert wurde, werden Arbeiten aus den unterschiedlichen Werkserien des Künstlers gezeigt, in denen er die bestimmenden Motive seiner künstlerischen Phantasie dekliniert hat. Spannungsgeladene Szenen im Hotel, in der nächtlichen Stadt, die anmuten, als seien sie Teil einer filmischen Erzählung, stehen neben den Portraits der Stars der schillernden Welt des Glamours.
Die Ausstellung gibt außerdem Einblick in das bewegte Leben Helmut Newtons, dem – 1920 als Sohn jüdischer Eltern in Berlin geboren – dank seiner beherzten Mutter 1938 die Flucht aus Deutschland gelang, die ihn zunächst nach Singapur und dann nach Australien führte. Ende der 1950er Jahre kehrt Newton mit seiner Frau June, wenig Geld und großen Träumen nach Europa zurück, zunächst nach London und dann nach Paris, wo seine große Karriere als Fotograf für "Vogue", "Elle" und "Queen" beginnt. In den Rotlichtvierteln der Stadt findet er die bestimmenden Motive seines Werkes.
In den 1970er Jahren erscheinen mit "White Women", "Sleepless Nights" und "Big Nudes" die ersten Bildbände Newtons, die seinen Rang als künstlerischen Fotografen begründen. Das Ehepaar lebt in Monaco und Los Angeles, bis ein tragischer Autounfall dem Leben von Helmut Newton im Januar 2004 ein jähes Ende setzt.
Weserburg I Museum für Moderne Kunst
Teerhof 20
28199 Bremen
www.nmwb.de
01. Juni 2008
Martin-Gropius-Bau, Berlin
12 Jun - 18 Aug 2008
Alexander Rodtschenko ist einer der großen Künstler des russischen Konstruktivismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist weltweit bekannt geworden und zählt bis heute zu den wichtigsten Positionen der Moderne. Bevor er Mitte der 1920er Jahre die Fotografie als neues Medium für sich entdeckte, hatte er sich bereits als vielseitig tätiger und innovativer Künstler in Moskau hervorgetan.
Seine Auffassung von Fotografie verstand sich als radikaler Bruch mit der Kunstfotografie der Jahrhundertwende. Der fotografische Blick sollte revolutioniert werden, ein „neues Sehen“ die Gesellschaft und den Menschen – in einer Zeit epochaler Veränderungen in Russland und in Europa – verändern
Die im Martin-Gropius-Bau gezeigte Ausstellung zeigt die vielen Facetten von Rodtschenkos bahnbrechendem fotografischen Werk: den Beginn mit den Fotomontagen, die Porträts der Freunde und Familie, teils als Mehrfachansichten, die Experimente mit Perspektiven, Bildstrukturen, Licht- und Schattenwirkungen, die Reportagen mit der Montage von Text und Bild, aber auch die Serie vom Zirkus und die letzten Experimente mit Farbfotografie.
Erstmals sind Arbeiten aus dem von den Erben verwalteten Nachlass zu sehen. Die Ausstellung wurde von Olga Sviblova, Direktorin des „Haus der Fotografie Moskau“ kuratiert.
Katalog
Moscow House of Photography (Hrsg.):
„Alexander Rodtschenko. Revolution in Photography“
Moskau, 2008. 223 Seiten
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstr. 7
10963 Berlin
www.gropiusbau.de
01. Juni 2008
Martin-Gropius-Bau, Berlin
13 Jun - 18 Aug 2008 

Die Ausstellung „Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ umfasst Zeichnungen, Fotos, Gemälde und Plastiken aus der Sammlung des Man Ray Trusts in Long Island, New York. Diese Sammlung ist nie zuvor gezeigt worden. Durch das Nebeneinanderstellen von Man Rays künstlerischen Arbeiten, seinen Werkzeugen, Dokumenten, den Gegenständen und Bildern, aus denen er seine Inspiration schöpfte, schafft die Ausstellung einen unverwechselbaren Kontext für das Erleben und die Würdigung seiner breit gefächerten künstlerischen Arbeiten.
Wegen der Fülle des Materials, das im Man Ray Trust zur Verfügung stand, beschäftigt sich die Ausstellung mit der Entwicklung zahlreicher Motive von den Skizzen bis zum Meisterwerk und zeigt Man Rays gelegentliche Nutzung fotografischen Materials für Gemälde und Grafiken. In der Ausstellung hat der Besucher auch die Möglichkeit sich ein Bild von Man Rays Leben und seinen schöpferischen Prozessen zu machen. So werden persönliche Gegenstände wie Schmuckstücke, die Man Ray für seine Frau Juliet anfertigte, private Briefe, Zeichnungen und Manuskripte, darunter zwei frühe Entwürfe von Man Rays Autobiografie, eine Formel für Fotochemikalien und eine Patentanmeldung für ein magnetisches Schachspiel gezeigt.
Der Aufbau von „Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ folgt den vier Schaffensperioden von Man Ray: New York (1890–1921), Paris (1921–1940), Los Angeles (1940–1951), Paris (1950–1976). Den Auftakt bildet New York mit einer Sammlung von Abzügen aus Man Rays persönlichen Karteien, in denen er seine Frühwerke dokumentierte. Diese Karteien, deren Originale nach Man Rays Tod aus seinem Studio gestohlen wurden und nicht wieder auftauchten, waren Gegenstand beträchtlicher Kontroversen und sind nie zuvor gezeigt worden. Soweit möglich, werden sie den Arbeiten zugeordnet, die sie dokumentieren. Aus den Jahren in Paris werden u. a. Man Rays Dokumentation seiner eigenen Werke und die anderer Künstler, darunter Duchamp, Picasso, Miro und Leger gezeigt sowie ein kleines Buch, das Man Ray von Rousseaus Werk anfertigte. Durch dessen Werk erlernte Man Ray das Fotografieren und fand in den 1920er Jahren Zugang zur Pariser Kunstwelt. Auch diese Arbeiten sind größtenteils unbekannt.
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstr. 7
10963 Berlin
www.gropiusbau.de
01. Juni 2008
Städtische Galerie Erlangen
14. Juni – 20. Juli 2008
Lucien Clergue, geboren 1934 in Arles, wo er auch heute noch lebt, zählt zu den Klassikern der Fotografie. Weltberühmt wurde der Franzose mit seinen Aktfotos. Jean Cocteau bezeichnete ihn als „Dichter mit der Kamera“. Mit Pablo Picasso war er lebenslang befreundet. Mit ihm verband ihn auch die Begeisterung für den Stierkampf. Liebe, Leben, Vergänglichkeit und Tod sind seine zentralen Themen, die er immer wieder auf motivisch unterschiedliche Weise interpretiert und ausdrückt.
1969 gründete Clergue die « Rencontre Internationale de la Photographie » in Arles, deren künstlerischer Leiter er lange Jahre war. 2007 wurde er als erster Fotograf Mitglied der Académie des Beaux Arts in Paris.
Nach Jahrzehnten ist sein Werk nun erstmals wieder in einer großen Retrospektive zu sehen. Eine Ausstellung der Städtischen Galerie Erlangen in Zusammenarbeit mit dem Picasso-Museum Münster und dem Kunsthaus Wien.
Zur Ausstellung ist ein Buch erschienen. „Magie und Mythos –Lucien Clergue“, Wien 2007.
Städtische Galerie Erlangen
im Museumswinkel
Luitpoldstraße 47
91052 Erlangen
www.staedtische-galerie-erlangen.de
01. Juni 2008