Leonard Freed . Weltanschauung
20.Juli 2008
19. Juli bis 5. Oktober 2008
C/O Berlin im Postfuhramt

„Je mehrdeutiger eine Fotografie ist, umso besser ist sie. Andererseits wäre sie Propaganda.” Leonard Freed
Oft sind Fotografen Sprinter. Sie fangen ihre Motive schnell ein, um sich dann neuen Zielen hinzuwenden. So betrachtet ist Leonard Freed ein Langstreckenläufer, der seine Projekte über große Zeitspannen verfolgt hat. Seine Fotoreportagen haben Jahre bis zu ihrer Reifung in Anspruch genommen. Es ist sein ruhiger, respektvoller Blick auf das Leben und den Menschen, der fasziniert und die visuelle Kraft seiner prägnanten Langzeitstudien ausmacht. Diese dokumentieren eine Haltung, die am Besten mit „Concerned Photography" beschrieben werden kann. Denn in Freeds Fokus standen nicht Stars, Katastrophen oder Spektakuläres, sondern alltägliche Situationen, sensible Porträts von Menschen in ihren jeweiligen gesellschaftlichen Zusammenhängen.
Ab dem 19. Juli präsentiert die C/O Berlin erstmalig und als einzige Station in Deutschland das Werk eines der wichtigsten Dokumentaristen des 20. Jahrhundert – Leonard Freed. Der aus einer Familie jüdischer Einwanderer aus Osteuropa stammende Fotograf (1929 bis 2006) dokumentierte im Auftrag aller großen internationalen Magazine das Leben im Nachkriegsdeutschland, insbesondere auch das neue Leben der Jüdischen Gemeinschaft. Fotografie war für den in Brooklyn, New York geborenen Foto-Journalisten ein Mittel, um die Welt besser zu verstehen. Im Fokus seiner ruhigen und respektvollen Langzeitstudien standen nicht Katastrophen oder Berühmtheiten, sondern alltägliche Situationen, sensible Porträts von Menschen in ihrem individuellen gesellschaftlichen Umfeld.
Freed, der seit 1972 Vollmitglied bei der Agentur Magnum war, sah sich selbst jedoch nicht als Journalisten, sondern als Autor. Die Retrospektive umfasst 230 Schwarz-Weiss-Bilder, von denen zahlreiche Aufnahmen Ikonen der Fotografiegeschichte geworden sind. Zur Ausstellung organisiert C/O Berlin zu den Themen Nachkriegsdeutschland und Judentum ein umfassendes Begleitprogramm mit Vorträgen, Lesungen, Diskussionen und speziellen Workshops für Kinder und Jugendliche.
C/O Berlin im Postfuhramt
http://www.co-berlin.info/
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