Bitte nicht gucken: Geheim!
Zum ersten Mal gewährt der BND, dessen Mitarbeiter sogar ihre Mobiltelefone mit Kamerafunktion am Einlass abgeben müssen, fotografische Einblicke in die abgeschottete Welt des Nachrichtendienstes. Der renommierte Fotograf Andreas Magdanz, der die großzügige Erlaubnis nach ordentlicher Sicherheitsprüfung erhielt, liefert Stillleben, ohne – das war die Bedingung – Mitarbeiter abzubilden. Von rund 600 Fotos, die Magdanz in Pullach hinter und an den BND-Mauern machte, findet sich ein Fünftel in seinem Fotobuch „BND – Standort Pullach“, das Ende April 2006 für 55 Euro beim Dumont-Verlag erscheint.
Die herabgelassenen Rollladen, Überwachungskameras oder leeren Monitore lassen den Betrachter erst einmal rätseln: Handelt es sich um eine zentrale Leitstelle öffentlicher Verkehrsmittel oder einem Hörsaal einer x-beliebigen Uni? Die stark an die 70er Jahre erinnernden Motive geben letztlich sichtbare Zeichen, dass es sich um ein hochmodernes Informationszentrum handelt. Nicht zuletzt sickert durch, auf welch geschichtsträchtigem Grund die Zentrale des Geheimdienstes baut, wenn neben Teilen der von Nationalsozialisten erbauten Bunkeranlagen eine Villa steht, die einst für Mitarbeiter der NSDAP-Parteikanzlei erbaut wurde und heute dem BND als "Präsidentenhaus" dient.
Resümierend lobt Magdanz: "Ich glaube nicht, dass das woanders auf der Welt so schnell möglich wäre, dass ein Geheimdienst die Türen aufmacht."Im gewissen Maße stimmt das. Zu den bloßstellendsten Motiven gehört daher auch das "Waldhaus" – einst die Schocktherapie für angehende Geheimdienstler. Denn im Inneren der trist wirkenden Baracke trifft der Betrachter auf einen Art Kinosaal, bei dessen Anblick er sich unweigerlich fragt, ob Hildegard Knefs damaliger Skandalfilm aus den 1950er Jahren, "Die Sünderin", gerade erst abgespult wurde. Reihen alter Klappsessel aus Holz dienen als Sitzmöbel, alles in allem stecken geblieben in den 1960er Jahren. Der Saal diente dem BND bis 1995 noch als Ausbildungszentrum…
Weitere Infos unter http://www.bnd-standortpullach.de und http://www.andreasmagdanz.de/
jetzt kommentieren? 24. April 2006
Sushi No. 8 erforscht die Balance: In der neusten Ausgabe der ADC Nachwuchsdokumentation geht es um extreme Gegensätze und ihre Rolle beim kreativen Arbeiten. Auf insgesamt 288 Seiten warten spannende Beiträge, tolle Illustrationen, wunderschöne Fotos über oben und unten, rechts und links, auf und ab, schwarz und weiß… Im Mittelpunkt des Buches stehen aber natürlich die Preisträger des ADC Nachwuchswettbewerbs 2005 – und das alles für 19,95 Euro.